MEIN RADREISE-BLOG

Hier ist der Platz, an dem ich meine Erlebnisse und meine Gedanken niederschreibe. Es ist für mich die größte Ehre, wenn du es liest und einen Kommentar hinterlässt. Und natürlich freue ich mich sehr über eine Spende für die kurzweilige Unterhaltung. Danke!

 

Bye Bye Arbeit!

Bis letzte Woche war die Reise noch weit genug weg. Jetzt kommt sie langsam mit ihrem Mantel und möchte mich mitnehmen. Es wird Realität und ich plane die ersten zwei Tage meiner Radreise. Ein sensationelles Gefühl. Gleichermaßen frage ich mich aber auch, was ich noch alles tun muss, bevor ich ruhigen Gewissens losfahren kann.

 

Die Erkenntnis ist, dass ich mein ganzes Leben Dinge tun kann, die mich davon abhalten meinen Traum einer Radreise zu leben. Es geht immer darum, eine Entscheidung zu treffen und den Absprung zu schaffen. Man kann eben nicht an zwei Orten gleichzeitig sein.

 

Auch wenn es mir wahrlich nicht schwer fällt, mein prekäres Beschäftigungsverhältnis an der hiesigen Musikschule aufzugeben, so denke ich doch an meine Schüler, zu denen ich die letzten Jahre eine Beziehung aufgebaut habe. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geht mir im Alltag zwar auch ziemlich oft auf den Keks, aber jetzt in den letzten Tagen vor meiner Radreise, zeigt mir meine Psyche, dass ich sehr an meinen Schülern und der manchmal aufreibenden Arbeit hänge. Es fällt mir nicht leicht, sie einfach so zurück zu lassen.


Die Unterrichtsstunden sind nicht immer nur dazu da, um Fachwissen zu vermitteln. Es geht darum, den Kindern einen Platz zu bieten, sich mit einem Musikinstrument auszudrücken und ihnen mal die halbe Stunde ohne Leistungsdruck, Schule und Eltern zu gönnen. Manchmal bin ich Therapeut, manchmal Entertainer, manchmal Musiklehrer und manchmal auch einfach der coole Typ, zu dem man gerne geht.



Für mich ist die Gitarre bis heute immer sowas wie ein Rückzugsort. Wenn das Leben scheiße zu mir ist, weiß ich, dass es meine Gitarre gibt. Mit ihr kann ich die Welt vergessen und emotionale Zustände, die ich nicht sofort mit meinem Verstand erfassen und reflektieren kann, verarbeiten. Ich selbst zum Beispiel war ein stilles Kind und hatte mit der Gitarre die Möglichkeit mir selbst eine Stimme zu geben. Die Stimme der Musik.

Nicht weil ich dadurch besser wusste, was ich sagen will, sondern weil sie mir half, einen Zugang zu mir zu bekommen und Frieden in mir herzustellen.





Zudem ist sie das Mittel, mit dem ich mich anderen mitteilen kann. Ich kann die wahrhaftigste Seite an mir zeigen, wenn ich auf der Bühne bin und spiele. Man sagt mir nach, dass ich einen einzigartigen Ton habe, wenn ich spiele. Der Ton formt sich aus allem, was ich mit der Gitarre an persönlichem verarbeite und in meinem Leben mit der Musik verarbeitet habe. Der Ton ist ein Bestandteil des Spiels, den man meiner Meinung nach nicht lernen kann. Er ist der individuelle Fingerabdruck, weshalb ein und dasselbe Instrument ganz unterschiedlich klingen kann, je nachdem wer es bedient.


Mit dieser Bedeutung, die das Instrument für mich hat, mache ich auch meinen Unterricht. Es gibt kaum was schöneres, als ein Ausdrucksmittel für sich zu finden. Man muss dazu nicht perfekt spielen, aber man kann die Bedeutung eines Instruments für sich lernen und eine emotionale Beziehung dazu aufbauen. Dabei möchte ich den Kindern, Jugendlichen und Eltern helfen. Denn letztere können auch gern mal die Beziehung wieder versauen. Sei es durch überambitionierten Leistungsanspruch, oder Egalität gegenüber den musikalischen Erfahrungen des Kindes.


Aber jetzt bin ich ganz schön abgedriftet. Abschließend bleibt dazu zu sagen, dass mir diese Arbeit im Herzen was bedeutet. Gerade deshalb empfinde ich sie oft als anstrengend - weil ich emotional immer voll dabei bin.


 

Jetzt mal wieder zum Fahrradfahren

Mein Fahrrad hat die letzten Updates bekommen, das ein oder andere Täschchen und Schräubchen kommt noch mit der Post reingeflogen, aber so langsam spürt man die Zeit im Nacken. Ich denke tatsächlich schon darüber nach, dass ich meine PowerBank oder mein Navi rechtzeitig laden muss. So kurz stehe ich vor der Abreise.


Aktuell fühle ich eine Mischung aus Vorfreude, ein bisschen Stress und einem Riesen-Respekt vor der Abschiedssituation. Aber wir werden sehen. Ich habe großes Vertrauen, dass alles so kommt wie es soll. Die Entscheidung auf Radreise zu fahren ist eine Herzensentscheidung und damit kann man niemals irgendetwas falsch machen.


Ich freue mich so sehr auf die ganzen neuen Erfahrungen und darauf von Dingen zu berichten, die ich jetzt noch garnicht weiß. Ich lechze förmlich nach neuen Erlebnissen, anderen Kulturen, neuen Begegnungen, Sport und generell nach einem neuen Abschnitt in meinem Leben.

 


Umso mehr freue ich mich über das öffentliche Interesse an meinem Vorhaben. Letzte Woche war die Lokalpresse da und gestern hatte ich Besuch von Vivian, die über mich in ihrem Blog Wendland-Abenteuer geschrieben hat. Auch mein instagram-Kanal wächst und ich erhalte tolle Nachrichten, unter denen sich auch bereits Übernachtungsangebote aus Städten entlang meiner Route befinden. Also alles super!








So dann, bis bald zum nächsten Bericht, der sehr wahrscheinlich von unterwegs geschrieben wird.


 

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