MEIN RADREISE-BLOG

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Noch 30 Nächte und kein bisschen schlauer

Aktualisiert: 23. März

Heute habe ich in meine Polarsteps-App geguckt, die mir netterweise ausrechnet, wie oft ich noch in einem mir bekannten Bett schlafen darf, bevor es auf Radreise geht.

30 mal hat sie gesagt. Das ist ok für mich. Ich habe noch genug zu tun. Die letzten Tage bin ich immer voller Tatendrang, will hier zu Hause alles klarschiff kriegen, damit ich ruhigen Gewissens abdampfen kann.



Wenn ich im Garten fertig war, hatte ich immer große Lust noch was am Fahrrad zu machen. Aber ich stehe dann immer wie ein Ochs davor und denke, es ist ja nicht so kompliziert. Du packst deine Taschen, die du bereits hast, hängst sie an das Fahrrad, das du bereits hast und fährst los. Also gehe ich dann meist wieder, lasse das Fahrrad im Montierständer hängen und warte, bis mir tatsächlich mal was sinnvolles einfällt, was ich damit machen kann.


Das was mich wirklich gerade umtreibt, ist die politische Situation in Teilen der Welt, die es für mich schwierig macht, mich mit meiner Idee zu 100% wohl zu fühlen. Wenn ich an vergangene Radreisen denke, dann habe ich es kaum ausgehalten loszufahren und auf mein Ziel zu zu steuern.


Als ich vor ungefähr zwei Jahren den Plan nach Bangkok zu radeln das erste Mal ins Auge fasste, fühlte sich das großartig an. Ich war glücklich, dass mir endlich klar war, mit welchem Mobil ich diese lang schlummernde Idee einer langen Reise umsetzen will.


Erst kam Corona...


...und ich war etwas desillusioniert was mein Vorhaben anging. Dann kam der Militärputsch in Myanmar und das Land, welches sich gerade geöffnet hatte, hat sich für neugierige Touristen wieder verschlossen, Da muss ich aber durch, wenn ich mir den riesigen Umweg über China sparen will.

Naja, irgendeine Möglichkeit wird es schon geben, dachte ich mir.

Dann kam die Situation mit Afghanistan und plötzlich versperrte sich mir vor meinem inneren Auge der Weg entlang der afghanischen Grenze Turkmenistans und Tadschikistans. Denn auch Länder wie Uzbekistan und Kirgistan hätte ich gerne erkundet und wäre gern dem Pamir-Highway gefolgt. Schlussendlich hat dann auch Turkmenistan eine bis heute andauernde Einreisesperre verhängt - aus Gründen der Pandemie.


Es gibt ja aber noch Meere und Fähren dachte ich. Ich könnte durch Polen und die Ukraine fahren und in Odessa die Fähre nach Georgien nehmen und dann von Aserbaidschan mit der "Professor Gül" nach Kasachstan übersetzen. Sowieso wollte ich zu dem Zeitpunkt und bis vor einer Woche erstmal ein kleines Brötchen backen und Georgien als mein erstes Etappenziel bestimmen, von dem aus ich die Dinge neu bewerte. Dann kam der Krieg in der Ukraine und wieder steht alles Kopf.

Parallel sehe ich aber in den sozialen Netzwerken viele Radreisende, die sich trotzdem in den Regionen aufhalten und bin auch im Austausch mit Radreisenden, die verschiedene Ansichten, Meinungen und vor allem Erfahrungen zur Routenplanung unter schwierigen politischen Bedingungen teilen. Ich denke mir, es ist wahrscheinlich wie mit dem Kinder kriegen. Einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht.


Vielleicht war das auch schon immer so fragil...


...und ich finde es jetzt heraus, weil ich mich so intensiv damit beschäftige. Die Route jedenfalls ist schnell angepasst und Kompromisse mache ich auch im echten Leben jeden Tag. Hauptsache ich sitze im Sattel und habe ein Ziel. Letzteres ist momentan schwer festzuhalten, weil niemand weiß, wie sich die Lage im Osten entwickelt und ob es nicht schlichtweg einfach zu unberechenbar wird.

Abgesehen davon fühlt sich das komplette Vorhaben schon völlig surreal an und immer wenn ich über das Durchreisen ferner Länder rede oder schreibe, frage ich mich: "Was labersch du?".

 

Mein Fazit: Das Bauchgefühl ist sehr wahrscheinlich auch während der Reise der beste Kompass.

 

So sitze ich die letzten 30 Nächte vor meiner Fahrradreise zu Hause und frage mich, ob ich auch mit einem anderen Ziel zufrieden wäre. Doch der Gedanke daran fällt mir schwer. Fest steht, ich werde während der nächsten 30 Nächte eine Entscheidung treffen, wohin mich meine Reise führen soll und das wiederum weckt die Hoffnung auf ein tolles Abenteuer...



 

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