MEIN RADREISE-BLOG

Hier ist der Platz, an dem ich meine Erlebnisse und meine Gedanken niederschreibe. Es ist für mich die größte Ehre, wenn du es liest und einen Kommentar hinterlässt. Und natürlich freue ich mich sehr über eine Spende für die kurzweilige Unterhaltung. Danke!

 

Soljanka, Birne, Gallenstein


Nachdem ich mich aus Meißen verabschiedet hatte und nach einigen Umwegen auf nervigem Kopfsteinpflaster, erfolgreich wieder auf den Elberadweg gefunden habe,

war mein Plan, das ca. 65km entfernte Königstein zu erreichen. Ein kleiner Ort im Elbsandsteingebirge. Ungefähr 12km von der tschechischen Grenze entfernt. Ich war schon ein kleines bisschen euphorisch, mich endlich aus Deutschland verabschieden zu können und fieberte meiner letzten Nacht in heimischen Gefilden entgegen. Ich musste unbedingt Wäsche waschen und habe mir deshalb einen Campingplatz rausgesucht. Der Weg war zauberhaft und auch das Wetter spielte mit. Das erste Mal T-Shirt-Wetter auf dieser Radreise. Eine Wonne nach den ganzen stürmischen Regentagen. Es war gut, mal ein paar Tage die Beine auszuruhen. Wenn der Körper wieder leistungsfähig ist, dann ist man doppelt motiviert. Es ist nach wie vor schön, entlang einer funktionierenden Infrastruktur mit ausgebauten Radwegen zu fahren. Ich weiß, dass sich das auf meiner Tour auch noch ändern wird.


In Dresden angekommen, habe ich mich ans Elbufer gesetzt. Ich bin immer fasziniert, wenn ich hunderte Kilometer von zu Hause an ein und demselben Fluss sitze, der fast vor meiner Haustür vorbeifliesst. Ich sehe das Wasser, bevor es bei mir zu Hause ankommt.


Wer nur diesen Blog liest, der weiß nicht, was mit mir und der Birne passiert ist, weshalb ich an dem Tag mathematische Probleme hatte und warum ich es nicht mag, wenn mich ein Blutzuckerteststreifen-Lieferant überholt. Dafür gibt es meinen Video-Blog

Zur Radreise. Schau doch mal rein.










Ich hasse Bürokratie und komplizierte Erklärungen zu einfachen Themen. Menschen machen anderen Menschen das Leben schwer. Vielleicht auch unabsichtlich, aber in erster Linie ist das überflüssig. Der Campingplatz in Königstein jedenfalls hatte die Kompliziertheit unserer Zivilisation wohl intensiv studiert und führt diese in Perfektion aus. Sie haben es geschafft, mich nach einem entspannten Tag in kurzer Zeit mental zu ruinieren. Ich habe mich für eine Wanderhütte entschieden. Einen einfachen Holzverschlag mit einer Lampe und einer Steckdose.

Es war einfacher die 65km dahin zu radeln, als den Check-In Prozess zu durchlaufen und vor allem inhaltlich nachvollziehen zu können. Ich bin innerlich mehrfach explodiert, ob dieser irrsinnigen Regulative. Völlig erschöpft, habe ich dem örtlichen Biergarten noch einen Besuch abgestattet, um die Premiere meines ersten Radreise-Videos zu feiern. Ein alkoholfreies Weizen habe ich mir gegönnt, da ich mehrfach von meiner Physiotherapeutin dazu ermahnt wurde, nicht immer Alkohol in Regenerationsphasen zu trinken. War ok. Schmeckt auch und soll ja isotonisch wirken. Das Problem war das Essen. Soljanka und Pommes habe ich kombiniert, um etwas in den Magen zu kriegen.

Beides war eher unlecker. Es war der letzte Tag mit ungesundem Essen. Ich muss auf meine Ernährung achten. Ein guter Impuls, aber leider zu spät.

Nachts ging es los. Durchfall, Fieber und Schmerzen. Das Spiel lief drei Tage. Solange war ich festgenagelt an die Spießigkeit dieses unsäglichen Campingplatzes, auf dem Kinder in ihre Walkie-Talkies schrien und nachts mit fuchtelnden Taschenlampen Verfolgungsjagden interpretierten.





Ich musste hier dringend weg, weshalb ich mich nach der dritten Nacht entschieden habe abzureisen und weiter Richtung Tschechien zu radeln. Die Zeitabstände zwischen meinen Verdauungsphasen waren vertretbar. 28 Kilometer habe ich mir vorgenommen. Ein überschaubarer Ritt entlang der Elbe, auf fantastischen Wegen, mit dem Ziel, den Campingplatz in Děčín zu erreichen. Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr in Form bin und mein Körper ganz dringend wieder ins Bett möchte. Das Überqueren der tschechischen Grenze war dann auch eher so beiläufig. In Děčín habe ich auf dem Platz dann wieder eine nette Einladung zum Grillen bekommen und zu Gunsten meiner Gesundheit auf Bier und fettige Speisen verzichtet. Früh bin ich ins Zelt gekrochen und wurde von meinem fantastischen Schlafsack bei Minusgraden schützend und wärmend ummantelt. Aber auch am nächsten Tag ging es nicht besser. Wenigstens hat das Wetter mitgespielt und hat mich durch die 22km Richtung Usti nad Labem getragen.

Dort habe ich mir für wenig Geld ein Bett gebucht, weil ich warm schlafen und gucken wollte, ob mich das fitter macht. Es gab aber auch am nächsten Tag Komponenten in meiner Symptomatik, die mir Sorge bereiteten und ich habe mich entschieden am Dienstag nach Ostern die 4,5 Stunden Zugfahrt auf mich zu nehmen und nach Hause zu fahren. Einmal zum Arzt und kurz auskurieren. Die Familie, bei denen ich das Bett gebucht hatte, hat versprochen in der Zwischenzeit auf mein Fahrrad und mein Gepäck aufzupassen.


Erstaunlicherweise hatte ich keine negativen Gefühle mit meiner Reiseunterbrechung. Ich hatte immer diese romantische Denke, ich müsste mit den Problemen, die sich auf der Reise ergeben, auch unterwegs klarkommen und mir vor Ort Hilfe suchen. Das gehört doch irgendwie zum Fahrradreise-Abenteuer dazu, oder? Kann sein, muss es aber nicht. Wenn man krank ist, dann darf man auch unterbrechen. Ohne das Gefühl den Flow der Reise auf unüberlegte Art unterbrochen zu haben. In dem Moment gibt es einfach andere Sorgen. Ohne Gesundheit geht der Spaß flöten und eine Radreise wird schnell zum Kampf.


Zu Hause angekommen, habe ich erstmal angefangen gesunde Sachen zu essen und zu schlafen. Nach ein paar Arztterminen und Untersuchungen, hat man sich entschieden, dass mir wohl ein Gallenstein abgegangen ist. Jetzt weiß ich wie sich das anfühlt. Es war kein Eingriff nötig und nachdem alle anderen Dinge ausgeschlossen wurden, hoffe ich nun auf eine gesunde zweite Runde und bereue nichts. Außer vielleicht, dass ich ein paar Sachen mit nach Hause genommen habe, um mein Gepäck zu erleichtern und trotzdem mit einer schwereren Tasche wieder nach Tschechien reise. Was da schiefgelaufen ist, muss ich selber nochmal eruieren.

Ich habe mein Zwei-Personen-Zelt wieder mit nach Hause genommen. Es ist viel zu kompliziert, wenn man jahrelang mit seinem perfekten Zelt gereist ist. Also habe ich mein Ein-Personen-Zelt eingepackt. Das geht alles viel schneller aufzubauen und ich bin damit viel flexibler. Nur mein Gepäck bekomme ich da nicht komplett rein. Macht nichts. Und mein Benzinkocher hat sich in den entscheidenden Situationen als unkomfortabel erwiesen. Ich habe mir was einfaches gewünscht als ich krank war. Deshalb habe ich noch eine Gaskartusche mitgenommen. Die kann ich an den Brenner anschließen, wenn es mal schnell und einfach gehen soll und wenn ich Zeit habe kann ich trotzdem auf Benzin umswitchen. Naja und ich habe noch einiges an Essen eingepackt, weil ich mir vorgenommen habe ab jetzt mehr und öfter zu essen. Damit ich bei Kräften bleibe, gibt es noch eine Packung Elektrolyte dazu. Zusätzlich habe ich meine Trinkflaschen gegen zwei Tritan-Flaschen getauscht und beschlossen nur noch aus dem Becher zu trinken, nachdem ich zu viel über Keimbildung in Fahrrad-Trinkflaschen recherchiert habe. Außerdem habe ich meine Zweithose zu Hause gelassen. Ich werde mit Jogginghose weiterfahren und das reicht. Ich gehe schließlich nicht auf Galas und Empfänge. Zumindest ist da bisher nichts geplant. Nur was ziehe ich an, während ich meine einzige Hose wasche? Ideen...?


Hier geht´s zum Video-Blog Nr.2:


 

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